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Heimat

Das Gedicht "Die Heimat" von Johannes Thiessen vorgetragen von Prof. Dr. Carl Ingwer Johannsen von unserem Dachverband Schleswig-Holsteinischer Heimatbund während der 40 Jahr Feier des Heimatvereins für Dorfgemeinschaft Prisdorf gibt uns die Möglichkeit einmal drüber nachzudenken was uns Heimat ist und bedeutet.



Die Heimat

Die Welt ist schön, das ist gewiß.
Es liegt ein Hauch vom Paradies -
auf ihr aus Gottes großer Huld.
Wo's anders ist, da sind wir schuld.
Schön sind die Meere und der Strand,
schön sind die Berge und das Land.
Schön ist der Kosmos und die Sterne,
schön ist die Nähe.und die Ferne.
Jedoch am allerschönsten ist
der Ort, der deine "Heimat" ist.

Die Menschen wandern durch die Zeit.
Mal sind sie nah, mal sind sie weit.
Sie suchen ohne Ruh' und Pause
und, sind doch nirgendwo zu Hause,
so bald sie auf der Erde- Straßen
die "Heimat" hinter sich gelassen.
Zwar bau' n sie sich in dieser Welt
hier eine Hütte, dort ein Zelt;
und ihre Freiheit die ist groß,
gedankenvoll, bedenkenlos.

Wer will schon bei dem Rennen, Hasten,
sich mit Vergangenheit belasten?
So denkt man sich, und man vergißt,
daß unsre Freiheit Bindung ist.
Des Lebens Quell, des Lebens Würze
ist die Geborgenheit der Schürze.
Und wer herabrutscht von dem Schoß,
der ist in Zukunft "heimatlos",
Es sei, er nimmt bei seinem Schritt
im Herzen seine Heimat mit.

Fragst du den, der vorübergeht,
was unter "Heimat" er versteht,
dann sagt er voll Erstaunen: "Ach,
fragt man denn heute noch danach?
Heimat, was soll ich dazu sagen,
Heimat, ein Traum aus frühen Tagen,
vom Altertum ein schönes Teil,
von damals als die Welt noch heil.
Heimat, dies Wort, wenn man es spricht,
dann kriegt man Tränen ins Gesicht.
Ich sage, sowas könn'n die meisten
in unsrer Zeit sich nicht mehr leisten.
Heut sind die Menschen reich und satt.
Weh dem, der keine Heimat hat."

So spricht der Mensch, dann macht er Pause.
Hör zu, ich bin doch bald zu Hause.
Steil war der Weg, kurz ist die Frist,
ich sage dir, was "Heimat" ist.
Und wenn dich andre Leute fragen,
dann darfst du es gern weitersagen.

1.

Zuerst sieht man, das ist ein Wort,
ganz geographisch diesen Ort.
Die Heimat, das ist doch das Land,
wo Elternhaus und Wiege stand,
wo man als Kind Verstecken spielte,
wo man den Mutterboden fühlte,
wo man zur Saat die Erde pflügte
und sich beim Erntefest vergnügte,
dort, wo der Hirsch am Morgen stand
und wo man Kiebitzeier fand,
wo Freude war im ganzen Haus
beim ersten Frühlingsblumenstrauß,
wo man dem Klang der Vögel lauschte,
der Wind durch starke Bäume rauschte,
man in den klaren Himmel schaute
und sich denn Luftschlösser noch baute.
Sowas, nun mach' doch einmal Pause,
sowas gibt's einfach nur zu Hause.

2.

Die Heimat wird, grad' wie es paßt,
auch noch historisch eingefaßt.
Sie ist, so sagen die Berichte,
geprägt von ihrer Urgeschichte,
geformt von prächtigen Gestalten,
von Umwelt und Naturgewalten.
Der Schöpfer hat, reich und geschickt,
ihr seinen Stempel aufgedrückt.
Man sieht in Feld und Wald und Fluren
ganz unverkennbar jene Spuren,
wo Menschen schon, je nach Belieben,
tatkräftig die Geschichte schrieben.
Sie machten schon nach festem Plan
sich diese Erde untertan.
Man spricht von Vorfahr' n, den Ergrauten,
die, als sie jung war'n, Zelte bauten,
und so in ihres Lebens Lenz
begründeten die Existenz,
damit die Nachfahr'n, wie sie's nennen,
ein bess'res Leben führen können,

3.

Geborgen, ohne Zwang und Lohn
ist Heimat in der Tradition,
Ein Wort, das trotz Verstand und Plan
keiner von uns begreifen kann.
Es ist der Ort der tiefen Schätze,
der ungeschriebenen Gesetze.
Wo man das Brot der Väter bricht
und eine eigne Sprache spricht,
wo man noch Kind des Dorfes ist
und mit ureignen Maßen mißt,
wo man nicht fragt, ob schlecht, ob gut,
man tut es so, weil man es tut,
wo Recht und Pflicht in eigner Form
Bestandteil ist und feste Norm,
wo man befolgt den Rat der Weisen
auf eingefahr'nen festen Gleisen,
wo's sicher ist und ungestört,
da weiß man, wo man hingehört!

4.

Heimat, das sind in unserm Lande
heile, gute Familienbande,
gesund und stark, kräftig und fest,
die keinen Sprößling fallen läßt.
Heimat, das ist auf unsern Wegen
der Großeltern und Eltern Segen.
Heimat ist nicht nur Stall und Futter.
Heimat, das ist der Kuß der Mutter.
Heimat, das ist des Vaters Schweiß,
das Toben im Geschwisterkreis.
Heimat bedeutet: Gute Fahrt
mit Onkel- und mit Tantenrat.
Heimat, ein Schritt in neues Land
an Großvaters erfahrener Hand.
Heimat, das ist in Kampf und Streit
Familiengeborgenheit,

5.

Wem ein Stück Heimat anvertraut,
worin er sich sein Nestchen baut,
der stellt bald mit Vergnügen fest:
Nachbarn sind Polster für das Nest.
Nachbar, ein Wort so ungeübt,
das es in Kürze nicht mehr gibt.
Nachbarschaft ist, wo im Vertrau'n
die Post noch läuft von Zaun zu Zaun;
da, wo man, eh' die Zeit enteilt,
zu einem Klönschnack noch verweilt,
wo man noch frei die Wahrheit sagt,
nach Reichtum nicht noch Armnut fragt.
Nachbarn sind immer hilfsbereit.
Sie haben auch für Kranke Zeit.
Nachbarn sind da, die ganzen Jahre,
sind an der Wiege und der Bahre.
Nachbarn sind da, in Sturm und Wind.
Heimat ist da, wo Nachbarn sind !

6.

Auch ist die Heimat, in der Tat,
der Ort, wo man die Freunde hat,
mit denen man zu jeder Frist
gesellschaftlich verbunden ist,
die einem stets die Treue halten,
die Freizeit fröhlich mitgestalten,
bei denen man sehr gern verweilt,
die Freunden und die Leiden teilt,
die sich bemüh'n, Gutes zu reden,
falsch Zeugnis stets entgegentreten,
die im Beruf bei vielen Fragen
ein gutes Wort zu sagen haben,
mit denen man zum Scherz bereit
bei mancher schönen Festlichkeit
und feiertags, so wie es fällt,
gemeinschaftlich den Kirchgang hält.
Das alles kann doch nur allein
Bestandteil einer Heimat sein.

7.

Ein Baum braucht Halt, damit er dann
dem Sturm und Regen trotzen kann.
Er schlägt, damit der Halt ihm werde,
die Wurzeln in die Heimaterde.
Wohl dem, wenn er sein Leben gründet,
hier einen guten Boden findet.
Denn seine Zweige sind, nun merk's,
das Abbild seines Wurzelwerks,
Die Wurzeln graben an der Stelle
durch harten Boden bis zur Quelle.
Und oberirdisch grünt es feste,
nun aus den Zweigen werden Äste,
und mit den Jahren wächst heran
aus gutem Holz ein guter Stamm,
der dann im Kreislauf der Geschichte
der Grundstock ist für gute Früchte.
Ein Mensch muß seinen Schöpfer loben
für einen guten Mutterboden.

8.

Die Heimat drückt dann im Verlauf
den Kindern ihren Stempel auf,
und man erkennt der Heimat Glieder
an Blättern und an Früchten wieder.
Ob Leid, ob Freud, ob Ernst, ob Scherz,
Kinder der Heimat haben Herz.
Man kennt die Menschen ihrer Zeit
und Herkunft an der Herzlichkeit.
So, wie der Baum in seiner Kraft
genährt wird von dem Lebenssaft,
so füllt der Geist von Herd und Haus
die Kinder seiner Heimat aus.
Mahlt oft auch hart des Lebens Mühle;
Heimat hat Raum noch für Gefühle.
Hier braucht man noch für stille Tränen
und helle Jauchzer sich nicht schämen.
Heimat ist Kraft und Lebensschule.
Heimat ist Sehnsucht, "Schwert von "Thule".

9.

Eins noch aus dieser ganzen Fülle.
Heimat hat noch den Raum zur Stille.
So wie es jedem Menschen frommt,
daß er auch zu sich selber kommt
und einmal fragt, bevor's zu spät,
woher er kommt, wohin er geht.
Hier ist der Ort, wo mit Bedacht
man vor dem Herrgott Pause macht,
wo man ganz leis und ungefragt
für dieses Leben "Danke" sagt
und still bekennt:"Herr, dieses Glück
leg' ich in deine Hand zurück.
Gebrauche mich und meine Tage,
daß ich hier gute Früchte trage.
Laß mich hier fröhlich etwas tun,
dann in der Heimaterde ruhn,
bis du mich rufst nach dieser Frist,
wo meine ew'ge "Heimat" ist.


Heimat

  • etwas fürs Herz
  • und für zu Hause

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